Darf ich vorstellen? Das Wahlrecht - Ihre Chance! - Gastkommentar in der Bremervörder Zeitung, 23. September 2017

Gehen Sie wählen! Zugegeben, diese Aufforderung klingt abgegriffen. Vielleicht gehe ich Ihnen damit sogar auf die Nerven, weil es der x-te Wahlaufruf ist, den Sie in diesen Tagen bekommen. Aber: Es geht um viel, es geht um mehr. Morgen, am Sonntag der Bundestagswahl entscheiden Sie, entscheiden Wir, wie es mit unseren, dem ein oder anderen selbstverständlich erscheinenden Werten von Frieden, Freiheit und Demokratie weitergeht.

 

Der Gang ins Wahllokal sollte vor allem nicht als lästiges Übel empfunden werden, das den freien Sonntag ruiniert. Allgemeine, unmittelbare, freie, geheime und gleiche Wahlen sind etwas, um das uns viele Menschen auf der Welt beneiden. Sie sind ein Privileg, Bürgerrecht und Bürgerpflicht zugleich. Und sie werden seltener: 2014 haben laut Demokratieindex noch über 12 Prozent der Weltbevölkerung in einer vollständigen Demokratie gelebt. 2016 waren es rund zwei Drittel weniger, nur noch 4,5 (!) Prozent. Rund ein Drittel aller Menschen lebt in autoritären Regimen, die politische Grundrechte wie das Wahlrecht systematisch einschränken. Und wir müssen gar nicht weit weg schauen: Die Türkei ist auf dem besten Weg hin zu einem autokratischen Staat.


Es gibt aber noch ein paar weitere Zahlen, die Motivation genug sein sollten, morgen zur Wahl zu gehen. Zum Beispiel, dass Frauen im Bundestag mit 37 Prozent (Stand 2017) im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen immer noch unterrepräsentiert sind. Oder dass nur jede/r vierte DirektkandidatIn weiblich ist. Doch gerade Frauen müssen unterstützt werden, damit Themen, die vor allem Frauen betreffen, die die Hälfte der Bevölkerung stellen, endlich dauerhaft auf der Agenda stehen und konse-quent angegangen werden.


Für mich ist es meine bereits zehnte Bundestagswahl. Als ich 1983 das erste Mal an die Wahlurne gegangen bin, unterschieden sich die Themen, die mich bewegten, gar nicht so sehr von denen, die heute Schlagzeilen machen: Im Zuge der Diskussion um den NATO-Doppelbeschluss ging es für mich vor allem um die Frage, wie wir Frieden herstellen und erhalten können. Auch heute geht es immer noch und hoch-aktuell wieder um die Frage, wie wir mit den vielfältigen Bedrohungen umgehen: In einem Gürtel rund um die Europäische Union wächst die Unsicherheit - Unterdrückung, Gewalt, Aufrüstung, Terror und Krieg rücken näher und es geht am Sonntag auch darum, unsere Freiheit zu verteidigen. Die EU spielt dabei eine zentrale Rolle: Sie ist nach wie vor ein Friedensprojekt und es ist unsere Verantwortung, die neue Bundesregierung bei ihrem „JA zu Europa" deutlich sichtbar zu unterstützen.


Ob aus bürgerlichem Pflichtgefühl, Gerechtigkeitssinn oder dem Wunsch nach Frieden: Informieren Sie sich über die DirektkandidatInnen in Ihrem Wahlkreis, über die Positionen der einzelnen Parteien zu den Themen, die Sie besonders umtreiben, nutzen Sie den Wahl-O-Mat, sprechen und diskutieren Sie mit FreundInnen, NachbarInnen und Verwandten - das alles lohnt sich für jede/n von uns: Frieden in Freiheit und Wohlstand und das sichere Gefühl, etwas dazu beitragen zu können: Nutzen Sie Ihre Stimme für unser Land!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0