Ick schnack Platt – Du ok? - Gastkommentar in der Bremervörder Zeitung, 15./16. Juli 2017

Als am 13. Juni im niedersächsischen Landtag in Hannover die Reden zu dem parteiübergreifenden Antrag „Förderung für Niederdeutsch und Saterfriesisch verstetigen (bewahren, beständig machen) und weiter ausbauen“ gehalten wurden, war das keine gewöhnliche Beratung: „Leeve Lüd, leeve Frünn“ - Alle Redebeiträge wurden auf Plattdeutsch gehalten. Das war nicht nur unterhaltsam, sondern ein für alle Beteiligten überaus wichtiges Signal; wir wollen unser Platt behalten - Plattdeutsch soll eine lebendige Sprache sein und bleiben. Ob in der Schule, in den Verwaltungen, in der Wirtschaft oder eben auch im Landtag, Jede und Jeder soll die Möglichkeit haben, seiner oder ihrer Zweisprachigkeit auch im Alltag Ausdruck zu verleihen. Warum? Weil „dat Plattdütsche un dat Saterfreisische to uns hört as de Heid to Lüneborch“.

De Heid hört to Lüneborch
Die meisten Norddeutschen können diesen Satz relativ leicht verstehen. Aber nur noch zehn Prozent der unter 40-jährigen wären in der Lage, ihn selbst zu sagen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird uns das Wissen um diese Sprache abhandenkommen und damit ein Teil unserer Identität verloren gehen. Genau das soll mit dem genannten Antrag verhindert werden. Es muss möglich sein, das Plattdeutsche wie jede andere Sprache auch zu lernen und das von Kindesbeinen an, zuhause, in der Kita, in der Schule. Das Ganze nicht nur als Freizeitaktivität und weil es nett klingt, sondern gegebenenfalls sogar als Prüfungsfach bis hin zum Abitur. Und auch für Erwachsene sollte es genügend Angebote zum Erlernen und Vertiefen der Sprache geben.

Platt schall blieven
Bis dato allerdings gibt es schlicht und ergreifend nicht mehr viele Menschen, die Plattdeutsch unterrichten könnten oder wollen. Möglichst viele Menschen möglichst früh für diese Sprache zu begeistern kann ein Weg sein, hier gegenzusteuern. Und das geht: Ich konnte das erleben, als ich beim bundesweiten Vorlesetag 2015 in der Grundschule in Selsingen auf Plattdeutsch vorgelesen habe und auch die Kinder neugierig geworden sind, die zu Hause kein Platt sprechen. Bei all dem ist das Lernen nie Selbstzweck, sondern bereichert unser Land, sorgt für kulturelle Gleichberechtigung und unterstreicht die Vielfalt von Niedersachsen. Unser Landkreis Rotenburg geht hier mit gutem Beispiel voran:

Mook mit, denn lierst du dat
In der Volkshochschule gibt es Kurse für Plattdeutsch und auf der Internetseite des TouROW findet man eine umfangreiche Liste von Führungen auf „up Platt“. Darüber hinaus leisten die Landschaftsverbände in ganz Niedersachsen mit Projekten wie „Plattsounds“ oder „Platt is cool“ einen wertvollen Beitrag, um dieses Wissen auch in die nächste Generation hineinzutragen. 1999 hat das Land Niedersachsen die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen unterschrieben. Dieses Schriftstück sorgt dafür, dass die vielen Sprachen überall in Europa nicht verloren gehen. Viele gute Vorsätze allein helfen hier allerdings nicht weiter und nirgends ist „Learning by Doing“ wertvoller als hier: Platt is cool - ok in eenuntwinnigsten Johrhunnert!