FAQ - Aktuell

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Im Folgenden habe ich einige der vielen Fragen, die in diesen Tagen an mich gerichtet werden, für Sie zusammengestellt.

Ich freue mich über Ihr Interesse und hoffe, Sie finden die auf Ihre Fragen passenden Antworten.

 

Wann und warum begann Ihre Unzufriedenheit bei den Grünen?

 

Nach der Bundestagswahl 2013, als die Grünen es nicht geschafft haben, ihre Chancen auf eine Regierungsbeteiligung wahrzunehmen, die Tatsache, dass ausgerechnet diejenigen in der Verhandlungskommission saßen, die uns die Suppe mit der Debatte um die VeggieDay und die Pädophilie-Diskussion eingebrockt hatten und die Verhandlungen ausgebremst haben. Wir hatten eine insgesamt hervorragende Ausgangsposition, viele Landesregierungen waren Rot-Grün, die Grünen hatten bei den Kommunalwahlen 2011 landauf/landab beachtliche Zugewinne erzielt – ich bedauere sehr, dass die Partei nicht den Mut hatte, ihre Gestaltungsmöglichkeiten wahrzunehmen.

 

 

Wann wurden Ihre Überlegungen konkret, aus der Partei auszutreten?

 

In der Sommerpause nach dem Juni Plenum, nach vielen Gesprächen mit meiner Familie und im Freundeskreis.

 

Der Weg dorthin war ein jahrelanger Prozess, bei dem eins zum anderen gekommen ist. Die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2013 und auch nach den Kommunalwahlen 2011 und 2016, verpasste Chancen, fehlender Mut – im alltäglichen Politikgeschäft hat sich für mich immer mehr herauskristallisiert, dass es mehr Übereinstimmung mit der CDU als mit den Grünen gibt.

 

 

Wann kam die CDU als Alternative zu den Grünen für Sie in Frage?

 

Das Ganze geht auf einen monatelangen, wenn nicht sogar jahrelangen Prozess zurück, da ist ein Bausteinchen zum anderen gekommen, das fing mit verpassten Chancen im Bundestag und Kreistag, bei der Landratswahl an, reichte von Personalquerelen vor Ort, verfehlter Sachpolitik, fehlendem Führungsanspruch bis hin zu einer Ministerriege, die die Problemlagen im Elbe-Weser-Raums, für den ich in Hannover angetreten bin, nur stiefmütterlich angegangen ist.

 

 

Wer hat wen zuerst angesprochen, die CDU Sie oder Sie die CDU?

 

Die Grünen- und die CDU-Fraktionen haben immer miteinander gesprochen. Wie sprechen in den Ausschüssen, treffen uns im Parlament. Wir haben seit Jahren miteinander diskutiert, um Gesetze gerungen, Themen beackert – irgendwann merkt man, dass man eigentlich gar nicht weit auseinander liegt. Und irgendwann steht im Raum, dass man ja eigentlich auch zusammen könnte. Wer da den ersten Schritt gemacht ist völlig irrelevant – und ich weiß das ehrlich gesagt auch gar nicht mehr. Vermutlich war ich das.

 

 

Was hat die CDU Ihnen für einen Wechsel versprochen?

 

Versprechungen waren für meinen Wechsel nicht nötig. Den habe ich aus freien Stücken und nach langem Ringen mit mir selbst vollzogen. Die Bekanntmachung war nur noch der letzte Schritt einer langen Entscheidungs- und Überlegungsphase. Die Entscheidung ist lange in mir gereift und ich habe den Wechsel bewusst nach Schließung der Landesliste vollzogen, damit dieser Verdacht gar nicht erst aufkommt. Versprechungen für die Zukunft kann mir keiner machen, da sich in der Politik so schnell etwas drehen kann, dass darauf ohnehin kein Verlass wäre - die CDU hat mir nichts versprochen.

 

 

Spielte Geld bei Ihrer Entscheidung, zur CDU zu gehen eine Rolle?

Stephan Weil sprach von Eigennutz, wurde Ihnen ein Posten versprochen?

 

Die CDU hat mir nichts versprochen, sie hätte mir auch nichts zu bieten gehabt, was ich nicht durch den Wechsel bekommen habe: eine Partei mit der größten Übereinstimmung mit meinen Überzeugungen. Die Landesliste war geschlossen, Geld ist nicht geflossen.

 

 

Würden Sie sich selber als Überläuferin bezeichnen?

 

Wikipedia definiert einen Überläufer als einen hauptamtlichen Mitarbeiter eines Nachrichtendienstes, der sich einem anderen Dienst offenbart. Das trifft auf meinen Fall nicht zu.

 

 

Würden Sie sich selber als Verräterin bezeichnen?

 

Nein, bestimmt nicht. Ich hatte nicht vor, das von den Wählerinnen und Wählern in mich gesetzte Vertrauen zu verletzen. Ich kann verstehen, wenn die Wählerinnen und Wähler und meine ehemaligen Parteifreundinnen und Parteifreunde der Grünen es so sehen. Sie sehen in meinem Verhalten eine Verletzung der Loyalität, zu der ich gegenüber der Partei verpflichtet bin.

 

Als Abgeordnete bin ich nur meinem Gewissen gegenüber verpflichtet und mit dem bin ich im Reinen.

 

 

Sind Sie enttäuscht von Ihren neuen Parteikollegen bei der CDU, z.B. von Althusmann, der gesagt hat, dass er keine Karriere für Sie bei der CDU sieht und heute Ihren Wechsel zur CDU als Fehler bezeichnet?

 

Mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen in der CDU-Fraktion im Kreistag Rotenburg/Wümme besteht eine äußerst vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit. Zu den Kolleginnen und Kollegen im Landtag besteht ein sehr gutes Verhältnis. Es gibt für mich keinen Anlass, enttäuscht zu sein. Es geht alles sehr professionell und freundschaftlich zu.

 

 

Sind Sie in der CDU angekommen?

 

Ich fühle mich sehr gut aufgehoben. Und es ist ja nicht so, dass die CDU eine völlig unbekannte Partei war. Die Fraktionen arbeiten in den Parlamenten, den Ausschüssen und Arbeitskreisen eng zusammen, da geht es oft sehr pragmatisch zu, man kennt sich und man mag sich – auch über Parteigrenzen hinweg.

 

 

Sehen Sie die Chance, dass auch Ihre ehemaligen Parteifreunde von den Grünen Sie eines Tages wieder mögen? Jürgen Trittin hat ja ordentlich nachgetreten.

 

Klappern gehört in der Politik zum Handwerk, besonders im Wahlkampf. Ich bin davon überzeugt, dass schon jetzt die Sachthemen wieder wichtiger sind als die persönlichen Befindlichkeiten. Außerdem bin ich nicht nachtragend.

 

 

Ihnen wurde persönliche Befindlichkeit als Wechselgrund nachgesagt. Waren verletzter Stolz und Eitelkeit vor einem Jahr der Grund für ihren Parteiwechsel?

 

Natürlich war ich von einigen Vorgängen enttäuscht. Nach 20 Jahren in einer Partei hätte das alleine jedoch nie ausgereicht, sie zu verlassen. Der Grund für meinen Austritt bei den Grünen liegt viel tiefer. Bei allen grünen Gedanken bin ich eine Pragmatikerin, eine Realistin durch und durch. Was nützen mir die schönsten Visionen, wenn sie von den Bürgern nicht verstanden werden? Was bringen die besten Absichten, wenn die Bürger sie nicht annehmen? Schon lange habe ich einer Koalition mit der CDU die größten Chancen für grüne Politik gesehen. Bei der Arbeit an einer Annäherung zwischen Grünen und Christdemokarten hat sich für mich immer mehr herauskristallisiert, dass es in der CDU mehr Übereinstimmung mit meinen politischen Idealen gibt als bei den Grünen. Warum hätte ich da länger bei den Grünen bleiben sollen?

 

 

Sie haben damals von Niedertracht, Beleidigung und Unanständigkeit von Ihren ehemaligen Parteifreunden gesprochen – würden Sie das immer noch behaupten?

 

Aus heutiger Sicht mit dem Abstand von 12 Monaten kann ich den Groll meiner ehemaligen Parteifreunde besser verstehen. Wenn ich mir heute die Bilder der Pressekonferenz ansehe, muss ich zugeben, dass es mir damals nicht gelungen ist, die bestehenden Konflikte mit der Politik der Grünen, deutlich zu machen. Es stand damals mehr der Wechsel zur CDU im Vordergrund als die Motive meines Austritts aus der Grünen-Partei. Ich würde einiges anders machen heute.

 

 

Wie sind Sie mit den Anfeindungen umgegangen?

 

Als Polit-Profi hätte ich vielleicht mit den Hasstiraden und dem Shitstorm, die über mich hereingebrochen sind, umgehen müssen, doch mich hat das unvorbereitet getroffen und tief verletzt. Die Zeit vom 4. August 2017 bis in den Frühling 2018 war alles andere als einfach für mich. Ich habe die Auswirkungen auf mich und meine Familie komplett unterschätzt. Nach monatelangem Ringen mit mir selbst musste ich damals für mich eine Entscheidung treffen. Die Entscheidung war richtig, der Zeitpunkt und die Art und Weise der Kommunikation waren falsch.

 

Zum Glück habe ich eine tolle Familie, die mir viel Kraft gegeben hat, ich habe Freunde, die hinter mir stehen, einen Arbeitgeber, der loyal zu mir steht und ich hatte Zeit, alles zu verarbeiten, zu wachsen und zu lernen. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

 

Würden Sie alles genauso machen wie vor einem Jahr?

Was ist im vergangenen Jahr falsch gelaufen?

 

Hinterher ist man immer schlauer. Der Eintritt in die CDU hat viel mehr Raum eingenommen, als die Ursache für meinen Austritt bei den Grünen. Es ist mir damals deshalb nicht gelungen, meine Gründe zu vermitteln, das hat viele Menschen verunsichert. Mit der Erfahrung, die ich heute habe, würde ich einiges anders machen. Ich würde zum Beispiel den Medien zunächst allein gegenübertreten, um ganz klar zu machen, dass es eine persönliche Entscheidung von mir war und in keiner Weise durch meine neue Partei beeinflusst worden war. Vielleicht war auch der Zeitpunkt falsch, ich hätte mich schon viel früher von den Grünen trennen sollen. Es ist gelaufen, wie es ist, gestalten können wir nur das, was vor uns liegt und darauf konzentriere ich mich jetzt.

 

 

Bereuen Sie Ihren Schritt?

Sind Sie mit Ihrer Entscheidung von damals zufrieden?

 

Der Wechsel war das Ergebnis eines langen inneren Konflikts und vieler Überlegungen. Ich habe es mir mit der Entscheidung nicht leicht gemacht, doch als die Entscheidung gefallen war, war der Schritt leicht. Nicht leicht war die Zeit danach. Das hätte ich mir gerne erspart, aber in der Politik muss man einiges aushalten können.

 

 

Wem hat der Parteiwechsel genützt?

 

Da denke ich gar nicht drüber nach, entscheidend ist der Blick nach vorn. Für mich ist wichtig, dass ich meine Positionen mit der CDU nutzen und meine Gestaltungsmöglichkeiten wahrnehmen kann.

 

 

Was machen Sie jetzt, was machen Sie genau beim Zoll?

 

Ich habe jetzt eine, wie ich finde, große Chance, mit Mitte Fünfzig nochmal neu durchzustarten. Ich arbeite beim Hauptzollamt Hamburg-Hafen, in der Abfertigungsleitung beim ZA Waltershof und habe dort u.a. mit dem hochaktuellen Thema Strafzölle zu tun. Wir haben die einzige stationäre Containerprüfanlage Deutschlands bei uns auf dem Gelände. Wir überprüfen Falschanmeldungen, identifizieren nicht angemeldete Waren oder entdecken auch Drogen oder Waffen. Das ist ein vielfältiges und spannendes Arbeitsgebiet.

 

 

Welche Rolle spielt Politik inzwischen in Ihrem Leben?

 

Ich bin nach wie vor ein sehr politischer Mensch und die politische Arbeit erfüllt mich. Im August beginnt die Arbeit im Kreistag wieder, die Partei als solche ringt um Reformansätze und muss zukunftsfähiger werden. Umweltthemen beschäftigen unseren landwirtschaftlich geprägten Landkreis im Besonderen.

 

In der CDU gibt es eine mittlerweile eine sehr ehrgeizige Diskussion um den Frauenanteil: bei uns heißt die Quote Reisverschlussverfahren und die CDU hat sich die paritätische Besetzung unserer Parlamente und Gremien ganz oben auf die Agenda gesetzt, da kann ich mit meinem über lange Jahre erworbenen Know-how viel zum Gelingen dieses Projekts beitragen.

 

Im Landesverband Niedersachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, für den ich als Stellvertretende Landesvorsitzende Verantwortung übernommen habe, haben wir uns einen umfangreichen Reformprozess vorgenommen, aktuell beschäftigen wir uns mit der Neugestaltung des Volkstrauertages, den wir möglichst schon in diesem Jahr zusammen mit der jungen Generation neu organisieren wollen: es geht darum, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen, hierzu kann der Volkstrauertag als Friedens- und Gedenktag in neuer Form beitragen.

 

 

Wohin wollen Sie in der Partei?

 

Nichts ist geplant, nichts ist ausgeschlossen. Für die Frauen, den Frieden, die Umwelt und Reformen werde ich mich einsetzen – in der Gesellschaft und in der Partei. Politisch werde ich aktiv bleiben. Wohin mich der Weg dabei führen wird, ist offen, wenn ich gebraucht werde, bringe ich mich ein, wenn es sich mit meinen Idealen und meinem Leben vereinbaren lässt.

 

 

Was machen Sie außer Beruf, Politik und Ehrenamt?

 

Neben meiner politischen und ehrenamtlichen Arbeit betreue ich einen Freund der Familie der pflegebedürftig ist und dessen Frau im vergangenen Jahr gestorben ist. Das ist eine Aufgabe, die mich sehr erfüllt.

 

 

Sie haben sich entschlossen, wieder zu studieren. Woher kam das Bedürfnis?

Sie studieren in Buxtehude Führungskompetenz, was wollen Sie dann damit machen?

 

Ich hatte das Bedürfnis, wieder etwas zu lernen, wieder etwas nur für mich zu machen.

 Führungskompetenz ist immer wichtig und kommt mir in allen meinen Aktionsfeldern zugute.

 

 

Wann sind Sie mit dem Studium fertig?

 

In ein bis zwei Jahren, der Studiengang ist auf vier Semester angelegt.

 

 

Wie unterscheidet sich Ihr Leben jetzt von dem einer Landtagsabgeordneten?

Wie hat sich Ihr Leben seit dem 4. August 2017 verändert?

 

Mein Leben ist etwas ruhiger geworden, meine Bereitschaft, mich gesellschaftlich und politisch zu engagieren ist ungebrochen.

 

Mein Terminkalender sieht etwas entspannter aus, seitdem die vielfältigen Verpflichtungen, die ich als Landtagsabgeordnete für den ganzen Elbe-Weser Raum an sieben Tagen in der Woche wahrgenommen habe, weggefallen sind.

 

Ich freue mich über ein wiedergewonnenes Privatleben und ich kann weitaus selbstbestimmter entscheiden, wo und wie ich mich politisch und gesellschaftlich engagiere. Hierbei kann ich auf eine gute Vernetzung aus der Zeit im Landtag zurückgreifen und freue mich in jeder Hinsicht, beruflich und privat, über die vielen guten Kontakte mit den Menschen in meiner Heimatregion.